18. März 2004
Werner Wenning auf der Bilanzpressekonferenz am 18. März:

Bayer will EBITDA-Marge bis 2006 um fast 60 Prozent steigern

2003: EBIT vor Sondereinflüssen plus 67 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro / Konzernergebnis minus 1,4 Milliarden Euro durch hohe Einmal-Belastungen / Umsatz wuchs währungsbereinigt um fünf Prozent / Nettoverschuldung auf unter sechs Milliarden Euro verringert

Leverkusen - Der Bayer-Konzern will im laufenden Jahr sowohl das operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) als auch das um Sondereinflüsse bereinigte operative Ergebnis (EBIT) um mehr als 10 Prozent steigern. Dies gab Bayer-Vorstandsvorsitzender Werner Wenning am Donnerstag anlässlich der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Leverkusen bekannt. „Im Rahmen unserer Neuausrichtung haben wir zudem auch unsere Renditeziele neu definiert. Für den Gesamtkonzern planen wir, bis 2006 eine EBITDA-Marge von rund 19 Prozent erreichen zu können", sagte Wenning. Das entspricht einer fast 60-prozentigen Steigerung gegenüber der 12-prozentigen EBITDA-Marge im Jahr 2003. „Unsere Ziele sind ambitioniert. Wir wollen sie erreichen durch die angekündigten Portfolioveränderungen, Umsatzwachstum mit neuen Produkten aus unseren Life-Science-Bereichen sowie erheblichen Effizienzsteigerungen in allen Teilkonzernen."

Zudem, so Wenning, zeichne sich eine allmähliche Erholung der Konjunktur ab - vor allem getrieben aus den USA und aus Asien. So konnte der Umsatz trotz anhaltenden Preisdrucks in den ersten beiden Monaten 2004 währungs- und portfoliobereinigt um fünf Prozent gesteigert werden. Und auch beim EBIT seien die Zahlen ermutigend. Das gelte für die Lifescience-Bereiche HealthCare und CropScience, vor allem aber für den Industriebereich einschließlich der Aktivitäten, die bis Anfang 2005 als eigenständige Gesellschaft unter dem Namen „Lanxess" an die Börse gebracht werden sollen. Für den weiteren Verlauf des Jahres zeigte sich Wenning insgesamt verhalten optimistisch.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnten die operative Performance verbessert und das Ergebnis vor Sondereinflüssen um 67 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gesteigert werden - trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und negativer Währungsentwicklungen. Der Umsatz sank zwar um 3,6 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro, in Landeswährung ergab sich jedoch ein Plus von 5,0 Prozent.
Dennoch war Wenning mit dem Geschäftsjahr 2003 keineswegs zufrieden, denn das Konzernergebnis war mit minus 1,4 Milliarden Euro negativ - nach einem Gewinn von 1,1 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Bestimmende Faktoren für den Rückgang waren in erster Linie die Ende des Jahres angekündigten Wertberichtigungen von 1,9 Milliarden Euro im Zusammenhang mit der strategischen Neuausrichtung des Konzerns. Hinzu kamen 0,5 Milliarden Euro Aufwendungen für sonstige außerplanmäßige Abschreibungen und Restrukturierungen, insbesondere für Standortkonsolidierungen. Aus Portfoliomaßnahmen - hauptsächlich aus dem Verkauf des Haushaltsinsektizidgeschäfts - fielen dagegen Sondererträge von 0,5 Milliarden Euro an. Weitere 0,6 Milliarden Euro an Sondereinflüssen betrafen vor allem Aufwendungen für Maßnahmen zum Personalabbau und bilanzielle Vorsorge im Zusammenhang mit dem 2001 vom Markt genommenen Cholesterinsenker Lipobay/Baycol. Einschließlich eines Finanzergebnisses von minus 0,8 Milliarden Euro und eines aufgrund latenter Steuern positiven Steuerertrags von 0,6 Milliarden Euro stellte sich das Konzernergebnis auf minus 1,4 Milliarden Euro.

Positiv wertete der Vorstandsvorsitzende neben der Verbesserung der operativen Performance auch die fünfprozentige Steigerung des Brutto-Cashflow auf 3,2 Milliarden Euro. Dies dokumentiere die solide Finanzkraft von Bayer, die durch die Wertberichtigungen nicht beeinträchtigt worden sei. Die Effizienzverbesserungsprogramme, mit denen im Zeitraum 2002 bis 2005 Einsparungen von nunmehr über 2,5 Milliarden realisiert werden sollen, brachten im vergangenen Jahr Kostensenkungen von rund 730 Millionen Euro. Und die Nettoverschuldung wurde um 2,9 Milliarden auf jetzt unter sechs Milliarden Euro verringert. Wenning: „Unser erklärtes Ziel, die Nettoverschuldung bis auf sieben Milliarden zu verringern, haben wir deutlich übertroffen."

Trotz des negativen Konzernergebnisses hat Bayer auf die Aussetzung einer Dividendenzahlung verzichtet, weil - so der Bayer-Chef - „wir über einen guten Cashflow verfügen und von der zukünftigen Ertragsstärke unseres Konzerns überzeugt sind. Mit unserem Dividendenvorschlag von 50 Cents wollen wir den Interessen unserer Aktionäre an einer angemessenen Dividendenrendite auch in dieser besonderen Situation Rechnung tragen."

Das Geschäft hat sich gut entwickelt - auch wenn in einigen Bereichen die effektiven Zahlen rückläufig sind. Um die Einflüsse von Währungsschwankungen und Portfolioveränderungen bereinigt, werden die positiven Entwicklungen des Geschäfts deutlich. So sank zwar im HealthCare-Bereich der Umsatz um 5,3 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro, nach Bereinigung indes ergibt sich eine Steigerung um 9,2 Prozent. Das EBIT verringerte sich aufgrund der Wertberichtigung für das zum Verkauf stehende Plasma-Geschäft sowie hoher Restrukturierungsaufwendungen um 43 Prozent auf 334 Millionen Euro. Bereinigt um Sondereinflüsse verbesserte es sich hingegen um 22 Prozent auf 876 Millionen Euro.

CropScience konnte den Umsatz um 22,7 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro verbessern. Währungs- und portfoliobereinigt ergab sich ein Zuwachs um 11,8 Prozent. Gegenüber 2002, das allerdings durch Abschreibungen aus der Erstkonsolidierung von Aventis CropScience belastet war, konnte das EBIT vor Sondereinflüssen um 580 Millionen auf 405 Millionen Euro gesteigert werden.

In den Industriebereichen Polymers und Chemicals sorgten die schwache Konjunktur, zunehmender Wettbewerbsdruck, steigende Rohstoff- und Energiekosten sowie ungünstige Wechselkurse für äußerst schwierige Marktbedingungen. Der Umsatz von Polymers sank um 5 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro (bereinigt: plus 3,8 Prozent). Der hohe Wertminderungsaufwand und weitere Sondereinflüsse führten dagegen zu einem Rückgang des EBIT auf minus 1,2 Milliarden Euro. Um Sondereinflüsse bereinigt sank es um 51 Prozent auf 198 (2002: 407) Millionen Euro. Im Teilkonzern Bayer Chemicals ging der Umsatz um 21,3 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zurück (bereinigt: plus 0,8 Prozent). Hoher Wertminderungsaufwand und Sondereinflüsse reduzierten das EBIT auf minus 499 Millionen (2002: 1,1 Milliarden) Euro. Bereinigt um diese Sondereinflüsse sank das Ergebnis um 79 Prozent auf 42 Millionen Euro.

Das Jahr 2004 steht nach Angaben des Konzernchefs im Zeichen einer weiteren Verbesserung der Performance. Im Fokus ist die Umsetzung der strategischen Entscheidung, die Chemie - mit Ausnahme von H.C. Starck und Wolff Walsrode - sowie etwa ein Drittel der Polymeraktivitäten unter dem Namen Lanxess auszugliedern und als selbstständiges Unternehmen bis spätestens Anfang 2005 an die Börse zu bringen. Der Prozess der Neuorganisation ist so gut wie abgeschlossen, so dass die entsprechenden Aktivitäten zum 1. Juli 2004 intern ausgegliedert werden und Lanxess ab diesem Zeitpunkt bereits weitgehend eigenständig agieren kann.

Positiver Jahresüberschuss für Lanxess in 2004 geplant

Wenning zeigte sich zuversichtlich, dass Lanxess mit seiner Vielzahl von zyklischen Geschäften von der konjunkturellen Erholung stark profitieren werde, nachdem diese 2003 unter der allgemeinen Marktschwäche litten und zudem zahlreiche Sondereffekte zu verkraften waren. Positiv würden sich außerdem zusätzliche Ergebnisbeiträge aus den Kostensenkungsprojekten und verringerte Abschreibungen auswirken. „Deshalb erwarten wir für Lanxess einen deutlichen Anstieg bei dem um Sondereinflüsse bereinigten EBIT und planen auf Basis einer Stand-alone-Betrachtung für 2004 einen positiven Jahresüberschuss."

Für die bei Bayer verbleibenden Aktivitäten wird der Verbesserung der Ertragskraft oberste Priorität beigemessen. Deshalb sollen die Effizienzsteigerungs-Programme konsequent weiter verfolgt werden. Für das laufende Jahr sind Nettoeinsparungen von über 900 Millionen Euro beabsichtigt. Wenning sieht Bayer auch für die mittel- und langfristige Weiterentwicklung gut gerüstet: „Dabei setzen wir vor allem auf die Innovationskraft unseres Unternehmens." Man wolle auch künftig in forschungsintensiven Bereichen Zeichen setzen und deshalb betrage das diesjährige Forschungs- und Entwicklungsbudget 2,3 Milliarden Euro. Davon sollen 85 Prozent auf die innovativen Lifescience-Bereiche entfallen. Für Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände sind Investitionen von 1,8 Milliarden Euro veranschlagt. Renditeziele neu definiert

Im Rahmen der Neuausrichtung des Bayer-Konzerns wurden auch die Renditeziele neu definiert. „Unsere Zielrenditen entsprechen dem langfristigen Potenzial unserer Geschäfte", sagte Wenning. „Nach der Trennung von Lanxess planen wir für den Gesamtkonzern bis 2006 eine EBITDA-Marge von 19 Prozent. Zudem haben wir eine Zielrendite von 22 Prozent festgelegt." Für die Teilkonzerne gelten differenzierte Vorgaben: HealthCare soll 17 Prozent bis 2006 erreichen bei einer Zielvorgabe von 23 Prozent, CropScience 25 (Ziel 26) Prozent und MaterialScience 18 (Ziel 21) Prozent.

„Wir haben Bayer innerhalb von zwei Jahren in einem großen Kraftakt neu ausgerichtet", resümierte Wenning. „Mit der Trennung von Lanxess wird dieser Prozess abgeschlossen sein. Damit haben wir die Kräfte freigesetzt für Innovation und Wachstum. Auf dem neuen Kurs gewinnt das Bayer-Schiff deutlich an Fahrt."

In seinen Erläuterungen zum Abschluss für das Geschäftsjahr 2003 wies Finanzvorstand Klaus Kühn darauf hin, dass mit den hohen Sondereinflüssen und Aufwendungen ein wesentlicher Teil der Restrukturierungsmaßnahmen in der Bilanz berücksichtigt worden sei. Man gehe daher davon aus, dass sich die Sondereinflüsse im laufenden Jahr - von kleineren Beträgen abgesehen - nur noch auf die Vorgänge im Zusammenhang mit der Trennung von Lanxess und dem zum Verkauf stehenden Plasma-Geschäft beziehen werden. Durch Wahrung einer strikten Kapitaldisziplin konnten die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte auf unter 1,7 Milliarden Euro begrenzt werden. Damit beliefen sich die Investitionen laut Kühn auf weniger als 70 Prozent der planmäßigen Abschreibungen.

Niveau der Nettoverschuldung bietet erhöhte finanzielle Flexibilität

Der Free Cashflow nach Akquisitionen und Desinvestitionen von 2,4 Milliarden Euro wurde zur Rückführung der Finanzverschuldung verwendet. Darüber hinaus habe vor allem die Finanzierung in lokaler Währung, vornehmlich US-Dollar, mit ca. 500 Millionen Euro zur Verringerung der Nettoverschuldung auf unter sechs Milliarden Euro beigetragen. Kühn: „Das erreichte Niveau der Nettoverschuldung bietet uns eine erhöhte finanzielle Flexibilität." Da Bayer die Struktur der Fälligkeiten weiterhin konservativ gewählt habe, bestehe der erste nennenswerte Refinanzierungsbedarf erst im Jahr 2007.

Die Bilanzsumme verkürzte sich per 31. Dezember 2003 um zehn Prozent auf 37,4 Milliarden Euro. Maßgeblich dafür war der Rückgang der immateriellen Vermögenswerte und Sachanlagen von 4,9 Milliarden Euro. Das Eigenkapital sank um 3,1 Milliarden Euro auf 12,2 Milliarden Euro. Damit betrug die Eigenkapitalquote 33 (37) Prozent. Ausschlaggebend waren vor allem der Konzernverlust von 1,4 Milliarden Euro, die Dividendenzahlung für 2002 (657 Millionen Euro) sowie ein negativer Effekt aus der Währungsumrechnung von 1,1 Milliarden Euro.


Zukunftsgerichtete Aussagen<br/>
Diese Presseinformation enthält bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung des Bayer-Konzerns beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die wir in Berichten an die Frankfurter Wertpapierbörse sowie die amerikanische Wertpapieraufsichtsbehörde (inkl. Form 20-F) beschrieben haben. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.








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